9.November 2017 – Anstatt eines Artikels…

Betreff.
„Randbemerkung“; Auffälligkeiten zur Gedenkveranstaltung Pogromnacht
am Denkmal Arbeitsamt Herne.

Sehr geehrter Herr Kind,
Ihnen und Ihren SchülerInnen möchte ich ein ausgesprochen herzliches Kompliment machen zur Atmosphäre im Rahmen der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 09.11.2017 in Herne am Arbeitsamt.

„Am Rand(e) bemerkt“, nehmen Sie es wörtlich, stand ich in der letzten
Reihe von ca. 100? SchülerInnen und konnte zu meinem Erstaunen, zur
Verwunderung und wohlwollend beobachten , wie ausgesprochen teilnehmend
und diszipliniert Ihre jungen SchülerInnen den Vorträgen am Denkmal
beiwohnten. Keine unruhigen Bewegungen, keine Einzel-oder
Gruppengespräche zwischendurch in der „Menge“, sondern stilles,
aufmerksames Verfolgen der TeilnehmerInnen von Beiträgen zur Verfolgung
von Juden in der Nazizeit. Selbst die Schweigeminute, die in Überlänge
erfolgte, wurde geduldig und tatsächlich schweigend eingehalten. Ich
habe selten, nein, eigentlich noch nie, mit meinen 71 Jahren eine
Gedenkveranstaltung mit jungen Leuten in dieser Anzahl erlebt, die eine
derartige würdige Atmospäre verbreitet haben.

Bei all meinem Bedenken was die Zukunft angeht , habe ich einen
Hoffnungschub bekommen, dass rechtsradikale Vertreter in unseren
Parlamenten , in unserem demokratischen Staat, bei diesen Jugendlichen
kein Gehör finden. Es müssen nur noch mehr werden! Jetzt ist nur noch zu hoffen, dass im nächsten Jahr, zum 80.!!! Gedenktag an die schrecklichen Taten an jüdische Menschen und
Synagogen im November 1938 sich weitere Herner Schulen diesem Thema
annehmen und Solidarität, Wachsamkeit und Widerstand gegen das Vergessen
öffentlich deutlich machen. Wer nicht in die Vergangenheit zurückblickt,
kann nur schwerlich die Zukunft gestalten.

Leider vermisse ich bei Ihrem öffentlichen Engagment die zahlreiche
Teilnahme von Menschen meiner Generation. In den 60iger Jahren stellten
wir doch u.a. die Frage an die Elterngeneration, welchen Widerstand
sie zur Hitlers Machtergreifung geleistet haben. Mein Fazit: wehret den
Anfängen! Fangen wir u.a. mit der Teilnahme an Gedenkveranstaltungen
an, unterstützen die SchülerInnen der Erich-Fried-Gesamtschule.
Vielleicht ist dem einen oder anderen Rentner und Rentnerin für jedes
Friedensjahr, das wir seit Kriegsende erleben durften, ein Euro (wer in
der Schule beim Rechnen nicht aufgepasst hat: 1945 bis 2017 = 72 x1€ =
72€ Spende) für den Förderverein-EFG wert!?

Ich wünsche allen Engagierten der EFG, dass sie nie den Mut verlieren,
ihnen nicht die Puste ausgeht und mit Unterstützung, Solidarität, Spaß
und Zuversicht ihr „außer“-schulisches Bemühen mit Erfolg weiterführen!

Mit solidarischen Grüßen
Gerd Müller -Rentner-

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