Geliebte Mutter – Lesung mit Çigdem Akyol

Die Erich-Fried-Gesamtschule durfte in ihrer Aula eine ganz besondere Autorin begrüßen: Çigdem Akyol war mit ihrem Roman Geliebte Mutter zu Gast und schenkte unserer Schulgemeinschaft eine Lesung, die viele nachhaltig berührte.

Schon das liebevoll gestaltete Setting in der Aula machte deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Schulvormittag werden würde: Eine warme Leselampe, vier Sessel und leuchtend gelbe Tulpen – eine Hommage an Istanbul – schufen eine Atmosphäre, die zugleich persönlich und einladend war. Mit ihrer fröhlichen, offenen Präsenz nahm Çigdem Akyol die voll besetzte Aula sofort ein und gewann ihr Publikum vom ersten Moment an.

In ihrem Roman spielen Herne und Istanbul eine zentrale Rolle – zwei Städte, die auch für viele unserer Schüler*innen von Bedeutung sind. Es geht um eine Familiengeschichte, im Zentrum eine Geschichte zwischen einer Mutter und ihrer Tochter. Schnell wurde spürbar, wie sehr sich zahlreiche Jugendliche in den autobiographisch geprägten Momenten der Lesung wiederfanden. Die innere Zerrissenheit, das Gefühl, „nirgendwo richtig dazuzugehören“, die Konflikte zwischen familiären Erwartungen, gesellschaftlichen Anforderungen und persönlichen Träumen.

Im Gespräch mit der Autorin, das von unserer Schülerin Bennu Duru sowie unseren Lehrer*innen Frau Hippert und Herrn Cimsit moderiert wurde, entstand ein intensiver und ehrlicher Austausch. Besonders im Hinblick auf Bildungsgerechtigkeit wurde deutlich, welche Hürden sogenannte „Kofferkinder“ und auch Kinder späterer Generationen erleben, wieviel Rassismus sich noch immer an Schulen und Universitäten findet.

Zentrale Gedanken der Veranstaltung hallen noch immer nach. In der Nachbesprechung mit Schüler*innen trug vor allem der Gedanke, dass Lebenswege und Zugehörigkeit nicht immer eindeutig sind – und genau darin ihre Stärke liegt. Man muss sich nicht zwischen etwas entscheiden. Man darf beides sein. Es ist eine Bereicherung, unterschiedlichen Welten in sich zu vereinen.

Besonders bewegend war die Kernbotschaft der Autorin an unsere Oberstufenschüler*innen: Ihr könnt alles schaffen, auch wenn es schwer ist – vielleicht schwerer als für andere. Ich bin der Beweis – aufgewachsen in Herne und nun Journalistin in der Schweiz. Verliert nicht den Mut. Ihr dürft euren eigenen Weg gehen und dieser muss nicht der Weg eurer Eltern sein.

Es wurde gelesen, gefragt, zugehört und nachgedacht. Eine Lesung, die nicht nur Literatur in den Mittelpunkt stellte, sondern Lebensrealitäten sichtbar machte. Auch Themen wie Zwangsheirat, Vergewaltigung in der Ehe und Gewalt wurden mutig besprochen.

Wir danken Çigdem Akyol herzlich für diese berührende Begegnung – und freuen uns über den Raum, den diese Lesung für Austausch, Reflexion und Ermutigung eröffnete.

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