Glücksunterricht – sich selbst entdecken, Stärken entfalten und Verbundenheit in der Gruppe erleben
In unserem Glücksunterricht geht es nicht um das Zufallsglück, sondern um das Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit. Kann man das lernen? Wir sagen: Auf jeden Fall!
Seit 2019 gibt es den Glücksunterricht an unserer Schule als Projektkurs in der Q1. Weil unsere eigenen Beobachtungen, die Rückmeldungen von Schüler*innen und zahlreiche wissenschaftlichen Studien zeigen, dass die mentale Gesundheit von Jugendlichen zunehmend leidet, haben wir an unserer Schule das Angebot erweitert. Seit dem Schuljahr 2025/26 ist Glücksunterricht auch in den Jahrgangsstufen 9 und 10 im Rahmen der Ergänzungsstunden verankert. Damit erhält die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler*innen sowohl in der Sekundarstufe 1 als auch in der Sekundarstufe 2 einen festen Platz in unserem Schulleben.
Was genau machen wir im Glücksunterricht?
Zunächst vorweg: Unser Glücksunterricht ist wissenschaftsbasiert und folgt dem Konzept des Fritz-Schubert-Instituts für Persönlichkeitsentwicklung in Heidelberg. Das dort entwickelte „Schulfach Glück“ verknüpft Erkenntnisse der Positiven Psychologie mit der modernen Lernforschung. Die Konzepte und die damit erzielten Wirkungen bei Schüler*innen werden regelmäßig wissenschaftlich evaluiert.
Im Mittelpunkt unseres Glücksunterrichts steht zunächst die Frage: Wer bin ich? Dazu setzen wir uns mit unseren Ressourcen auseinander. Was tut mir gut? In Meditationen und Körperübungen praktizieren wir Achtsamkeit und verstärken dadurch das bewusste Erleben von Glücksmomenten. Wir etablieren wohltuende Routinen und suchen Ausdrucksformen für unsere Dankbarkeit. Außerdem entdecken wir unsere Stärken und Schwächen und üben unsere Selbstakzeptanz, um so ein solides Selbstwertgefühl zu entwickeln. Darüber hinaus geht es um unsere Beziehungen. Hier setzen wir uns mit der Frage auseinander, welche Menschen uns guttun, wie wir gelingende Beziehungen gestalten und wertschätzend kommunizieren können.
Im nächsten Schritt versuchen wir herauszufinden: Was will ich? Wo will ich hin? Wie soll meine Zukunft aussehen? Was sind meine Visionen von einem gelungenen Leben? Was ist mein Herzenswunsch? Hier denken wir groß und erlauben uns auch zu träumen – ganz weit weg von Schulnoten. Denn optimalerweise entsteht durch diese Gedankenreisen, die wir kreativ gestalten, eine Motivation, die sich letztlich positiv auf das Engagement in den klassischen Unterrichtsfächern auswirkt.
Im Glücksunterricht stehen kreative und praktische Erfahrungen im Vordergrund. Unser wichtigstes Tool ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit im geschützten Raum der Gruppe. Hier lernen wir, uns zu öffnen, ins Vertrauen zu gehen, Menschen, an denen wir vorher vielleicht schon jahrelang vorbeigelaufen sind, unsere Wünsche und Sorgen anzuvertrauen. Damit ist die Gruppe die eigentliche Ressource unseres Unterrichts. Immer wieder melden die Schüler*innen zurück, dass gerade dieser Austausch mit Gleichaltrigen sie stärkt und beruhigt, weil sie in dieser Verbundenheit erleben, dass sie nicht allein sind und andere von denselben Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten getrieben werden wie sie selbst.
Wie wertvoll echte Begegnungen sein können, erleben die Jugendlichen auch außerhalb des Klassenzimmers. Bei Besuchen im asb-Pflegeheim kommen sie mit älteren Menschen ins Gespräch. Sie hören Lebensgeschichten, erfahren von persönlichen Erinnerungen und tauschen Gedanken und Erfahrungen aus. Dabei begegnen sich Menschen unterschiedlicher Generationen, die im Alltag vielleicht nur selten miteinander in Kontakt kommen
Die Rückmeldungen aus den Glückskursen zeigen, dass die Schüler*innen diesen Unterricht als wohltuende Abwechslung zum klassischen Unterricht empfinden, sich selbst und ihre Ressourcen besser kennengelernt haben, sich kompetenter im Umgang mit Stress erleben und insgesamt zuversichtlicher auf die Herausforderungen des Lebens blicken. Daraus schließen wir, dass der Glücksunterricht an unserer Schule einen wertvollen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und mentalen Gesundheit unserer Schüler*innen leistet.
