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Wenn alte Menschen erzählen und junge Menschen staunen

Am Dienstag, dem 06.11.2018, war es wieder soweit, in der Aula der Erich-Fried-Gesamtschule Herne standen die Tische und Stühle so zusammengerückt, dass Schülerinnen und Schüler sich an jeder Tischgruppe um eine Zeitzeugin oder einen Zeitzeugen setzen konnten. Unter den Gästen fand sich auch die Vorsitzende des Schulausschusses, Frau Klemczack, ein, die erstmalig aus persönlichem Interesse als Gast an den Zeitzeugengesprächen teilnehmen wollte.
Die eingeladenen Zeitzeugen erschienen dieses Jahr zahlreich –

Wenn alte Menschen erzählen und junge Menschen staunen

– in Empfang genommen von Isabell Tappenhölter und Ulrich Kind, die dieses generationenübergreifende Projekt in die EFG gebracht haben und mit ihren Schülerinnen und Schülern stets liebevoll organisieren und koordinieren, fanden sich 25 erlebnisschildernde und berichterstattende ältere Menschen ein. Die Gruppe der Zeitzeugen, deren Gründung auf Horst Spiekermann zurückgeht, nimmt nur vier Termine im Jahr an Schulen (in Herne und Bochum) wahr – in dieser Auswahl zu sein, erfüllt uns mit sehr viel Stolz. Entsprechende Vorbereitungen mit den Schülerinnen und Schülern, die unabdingbare Rücksichtnahme und das Interesse an den Einzelschicksalen wiesen alle Beteiligten im Umgang mit den Damen und Herren auf. Denn sie wurden Zeugen von grausamen Kriegsgeschehen, Schikanen, die sie während des Naziregimes ereilt haben und unverzeihlichen Verbrechen, die an ihnen verübt wurden.
Fernab der Schilderungen aus Geschichtsbüchern, die in der Regel eine sachliche Distanz mitbringen, wurde dem 9. Jahrgang der EFG Geschichte so persönlich dargebracht, dass viele der Heranwachsenden von dem Gehörten überwältigt waren.
Eine 90-Jährige Zeitzeugin berichtete beispielsweise von ihrer Oma, die Hebamme war und vier jüdische Mitbürger in ihrem Haus versteckt hat. Diese Familie konnte später in die USA emigrieren. Der Kontakt mit den Nachkommen ist nach wie vor gegeben. Des Weiteren erzählte sie von ihrer Schulfreundin, die nach der Pogromnacht für immer verschwunden war. Das Möbelhaus ihrer Eltern wurde abgebrannt und sie vermutet, dass ihre Freundin in den Flammen starb. Seitdem ist sie sehr bekümmert darüber, ihre Freundin nicht wiedergesehen zu haben. Diese schreckliche Erfahrung in so jungen Jahren hat sie derart geprägt, dass sie sich zeitlebens gesellschaftlich und politisch dafür stark macht, dass solche Gräueltaten nicht noch einmal passieren dürfen.
Ein anderer Zeitzeuge erzählte von der Hinrichtung seines Vaters, der ein Zeuge Jehovas war, weil er den Dienst an der Waffe verweigerte. Geblieben ist den Kindern der Hinrichtungsbefehl des Vaters, mit dem der damals 8-jährige Zeitzeuge nichts anfangen konnte, heute ist es ein Zeugnis widerwärtiger Machenschaften eines Schreckenregimes, das ihm seinen Vater nahm.
Ein weiterer Zeitzeuge sprach von den kollektiven Schikanen und Bestrafungen, denen er in der Hitlerjugend zum Opfer fiel. Weil er einen schlurfenden, gebeugten Gang hatte und nicht gewandt bei den sportlichen Übungen war, passte er nicht in die Gruppe, was sie ihn immer wieder spüren ließen – die Tatsache, dass ihm oft die Tränen kamen, machte es nur noch schlimmer…
Einige Zeitzeugen sind am Freitag (09.11.2018) von dem Bürgermeister, Herrn Dudda, eingeladen, um für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt zu werden. Wir verbleiben in diesem Sinne auch mit unserem ehrfurchtsvollen Dank, uns das Vertrauen geschenkt zu haben, respektvoll mit ihren Lebensgeschichten umgehen zu können.

TEKI, 07.11.2018

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